Kirchenmusik in der Region Düren Kirchenmusik in der Region Düren
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Kirchenmusik in der Region Düren * Orgelinformationen
KircheSt. Martin Derichsweiler
PfarreSt. Martin Derichsweiler (Dekanat Düren-Nord)
Registerzahl24
BauweiseElektro-pneumatische Kegellade
Baujahr1957
OrgelbauerKarl Bach, Aachen
Disposition
I C-g'''II C-g'''Pedal C-f'
Prinzipal 8' Gedackt 8' Prinzipalbass 16'
Rohrflöte 8' Weidenpfeife 8' Subbass 16'
Oktave 4' Sing. Prinzipal 4' Oktavbass 8'
Gemshorn 4' Blockflöte 4' Gedacktbass 8'
Nachthorn 2' Superoktav 2' Choralbass 4'
Sesquialtera Spitzquinte 11/3' Flachflöte 2'
Mixtur IV 1 1/3' Zimbel III 1' Posaune 16'
Solotrompete 8' Oboe 8'  
Schalmey 4'    

Koppeln:
II-I II-I Sub I-P II-P Pedaloktav
HinweiseDie Bach-Orgel von 1957 in der Pfarrkirche St. Martin, Düren-Derichsweiler

Die Orgelbaufirma Karl Bach aus Aachen, die bereits vor dem Zweiten Weltkrieg existierte, hat in der Zeit der Fünfziger bis Siebziger Jahre in der Region zwischen Aachen und Düren sehr viele Orgeln errichtet. Vor allem in den Dorfkirchen, die während des Krieges beschädigt oder zerstört worden waren, finden sich heute diese typischen Zeugnisse des industrialisierten Orgelbaus. Damals beschränkte sich die Arbeit der Orgelbauer im Wesentlichen auf den Zusammenbau vorgefertigter, von großen Zuliefererfirmen bezogener Einzelteile. Auf diese Weise konnte man innerhalb weniger Tage eine preiswerte, komplette Orgel in einer Kirche spielfertig montieren, während Orgelbauer für ein traditionelles, handwerklich gefertigtes Instrument heutzutage viele Monate benötigen.
Die „Massenfertigung“ hat den Instrumenten, die in der damaligen Zeit übrigens von fast allen Firmen gebaut wurden, nicht nur in Organistenkreisen einen negativen Ruf verschafft. Es kommt hinzu, dass die Nachkriegsorgeln fast ausnahmslos dem Klangideal der sog. Orgelbewegung entsprechen.
Genau diesem Klang ist es zu verdanken, dass die Nachkriegsinstrumente heutzutage nach und nach aus den Kirchen verschwinden, und durch neue, traditionell gefertigte Werke ersetzt werden (z.B. in Mariaweiler im Jahre 1991).
Die Bach-Orgel in Derichsweiler stellt jedoch eine Ausnahme dar:
Vor dem Krieg gab es in Derichsweiler eine sog. Multiplex-Orgel aus dem Hause Seifert, Kevelaer. Diese Werke wurden hauptsächlich in der Zeit zwischen den Kriegen gebaut und versuchten, mit einer möglichst geringen Anzahl an Pfeifen auszukommen. Dabei erweiterte man den Tonumfang der wenigen Register nach oben und unten hin mehrere Oktaven über den Tonumfang der Klaviaturen hinweg und teilte der jeweiligen Tastenreihe einzelne Teilabschnitte der Register zu. So kam es, dass die alte Orgel zwar über drei Manuale und 60 Registerschalter verfügte, aber nur sechs Pfeifenreihen besaß! Klar, dass diese Instrumente aufgrund ihres Funktionsprinzips erhebliche klangliche Mängel aufwiesen.
Die Firma Bach konnte 1957 einen großen Teil des Pfeifenmaterials aus dieser Vorgängerorgel verwenden. Vor allem die heutigen Bässe mit ihren über 5 Meter langen Pfeifen sind bemerkenswert. Wenn die Multiplex-Orgel auch klangliche Mängel hatte, so erzeugten die einzelnen Pfeifen ein enormes Klangvolumen. Leider wurden beim Bau der Bach-Orgel die Pfeifen aus der alten Orgel klanglich gedrosselt, wie es dem Zeitgeschmack der 50er Jahre entsprach. Die restlichen, neuen Register wurden 1957 natürlich ebenfalls in sehr greller, ans Schreiende reichender Art intoniert. Die Orgel besaß wenig Bass und viel zu viel Höhen.
Bei der Generalüberholung von 2003 durch die Firma Wilbrand (Inh. Heribert Coenen) wurde die Orgel technisch und klanglich auf Vordermann gebracht. Dabei hat man das komplette Pfeifenwerk nachintoniert und dabei nicht nur den Bässen wieder ihr altes Klangvolumen zurückgegeben. Die Zungenstimmen wurden als Plenumszungen intoniert und bilden zusammen mit dem sich sehr schön mischenden zerlegten Kornett ein imposantes Grand Jeu. Die einst grellen Mixturen wurden dem weichen, volltönenden Grundstimmenfundus angepasst und fungieren nun als Klangkronen, die den Gesamtklang nicht mehr dominieren. Aus dem typischen Nachkriegsinstrument der Firma Bach ist eine schöne klangvolle Orgel mit symphonischer Neigung im Stil des beginnenden 20sten Jahrhunderts geworden, die ihre wahre Entstehungszeit nur noch durch ihr zeittypisches Äußeres verrät.
Im Jahre 2007 schließlich wurde das Register „Krummhorn“ gegen eine „Oboe“ (ein Original aus der Zeit des frühen 20sten Jahrhunderts) getauscht, die sich mit ihrem zurückhaltenden Schmelz hervorragend in das Klanggewand dieser „wiedererstandenen“ Königin der Instrumente einfügt. Außerdem hat man die Weidenpfeife im II. Manual probeweise schwebend zum „Gedackt“ gestimmt. Da sich jedoch ein „Gedackt“ aufgrund seiner Bauart kaum zu einer Schwebung eignet, kann leider zurzeit nur ein schwaches Abbild dieses ansonsten wunderschönen Schwebe-Effektes hörbar gemacht werden. Es wäre wünschenswert, wenn die Orgel in nicht allzu ferner Zukunft um eine echte „Vox coelestis“ bereichert würde…

Das Instrument verfügt heute über 24 Register mit insgesamt 1498 Pfeifen.
[Frank Grobusch]

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